Aus der Rezension im "Mannheimer Morgen" vom 20.5.2008
Ob der "räudige Spatz" , wenn er "im goldenen Käfig" sitzt, "noch so frech zwitschert wie auf der Gasse"? Andreas Öhlers Frage im Vorwort wirkt gelassen. Sie ist, wie bei dem aus Schwäbisch Hall stammenden Autor, Filmemacher und Journalisten nicht anders
zu erwarten, mit rhetorischem Kalkül gestellt.
Ein "goldener Käfig" ist die schön broschierte und hintersinnig illustrierte Ausgabe von "Öhlers Straßenliedern" ebenso wenig, wie die von 1978 bis 1986 auf Straßen dargebotenen Lieder ein "räudiger Spatz" sind.
Wolf Biermann, Inbegriff des literaturbewussten politischen Liedermachers, nennt in seiner lobenden Einführung große Leitbilder Öhlers: Wedekind, Tucholsky und der Expressionist van Hoddis; an Villon oder Morgenstern darf man sich freilch ebenso erinnern - und natürlich an Biermann. Den Gesang muss man sich beim Lesen hinzudenken, ersatzweise gibt's die herrlich karikierenden Illustrationen des preisgekrönten Burkhard Mohr.
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Aus der Rezension von Michael Rutz im "Rheinischen Merkur" vom 17. Januar 2008
In den Kollegen unserer Redaktion schlummern vielfältige Begabungen. Vielleicht ist nicht wirklich verwunderlich, dass ein Feuilleton-Redakteur auch dichten kann (zumal, wenn er für Literatur zuständig ist), aber wirkliche Meisterschaft im poetischen Metier ist nicht selbstverständlich zu erwarten. Mein Kollege Andreas Öhler hat nun ein Büchlein mit Gedichten des Alltags vorgelegt, Selbstbesinnliches, fröhlich Beobachtendes, "Straßenlieder" eben. Wolf Biermann hat ihm dazu ins Vorwort geschrieben: "Wer so virtuos mit der Sprache umgehen kann wie Du und dann trotzdem sich nicht selber auf den Leim geht - will sagen: chronisch humorige Lyrik absondert, der hat beides: Charakter und Talent." Ja, beides hat er, und die wirklich brillanten Gedichte Öhlers, sollten Sie wohl kaufen, wenn Sie sich intelligent amüsieren wollen.
Aus dem Bericht des Bonner "General-Anzeigers" von Helmut Herles vom 22. Januar 2008
Es ist reizvoll, wenn Begabte nicht in ihrem jeweiligen Fachkasterl stecken bleiben. Wenn also ein Galerist zum Verleger, ein vormals leicht linker Liedersänger zum Redakteur des weiland eher rechten Rheinischen Merkur, ein Schmied zum Karikaturisten und Buchillustrator werden. Variatio delectat oder jeder Jeck ist anders.
Zu erleben jetzt bei der Produktion und Präsentation des zweiten Werkes im neuen Verlag des Galeristen Franz Schön: "Öhlers Straßenlieder. Mohrs Zeichnungen." Sie wurden vorgestellt von Michael Mertes, Politologe und gegenwärtiger NRW-Bewollmächtigter beim Bund, vor allem aber Nach-Dichter und Kommentator sämtlicher Sonette Shakespeares. Sie waren das erste Buch bei Franz Schön unter dem Titel: "Du, meine Rose, bist das All für mich." Mertes war also der richtige Mann, um im Haus an der Redoute über 49 Balladen und Lieder von Andreas Öhler, längst nicht mehr an einer schwäbischen Straßenecke singend, sondern in der Redaktion des RM sitzend, und über die davon inspirierten Zeichnungen Burkhard Mohrs zu sprechen. Denn der schwarze Humor von Öhler und Mohr handelt ebenfalls von Liebe und Tod - und beide verbinden Freiheit und Frechheit mit Liebenswürde, selbst wenn Öhler einst die Kohl-Ära als Cholera verstand.
Mohr, Karikaturist von GA und FAZ sowie Schmied grotesker Köpfe, hat nicht zum ersten Mal für ein Buch gezeichnet. Zusammen mit seinem Vater, dem Schüttelreimer und Liedermacher Wolf Mohr alias Thomas Berg, hat er einige Bände "Schüttelzeichnungen" herausgebracht. Dem gemeinsamen Werk Öhlers und Mohrs kommt nicht nur beider Symbiose und Sympathie zugute. Es ist ausgezeichnet durch einen Briefwechsel Öhlers mit Wolf Biermann als Vorwort, dem er nach dessen Ausbürgerung aus der DDR zuerst frech und dann beruflich immer näher kam. Biermann hatte jedoch abgesagt: "Ich bin geistig bei Euch, da braucht Ihr keinen Stuhl für mich."
Dass Öhlers Straßenlieder singbar sind, bewies der Autor hochmusikalisch am Ende durch den Vortrag von fünf Balladen, darunter den bitterbösen "Ehefreuden": "Sie waren ein Paar. Und wie Hund und Katz, so feindlich wie Türke und Kurde - kein Wort, keine Silbe, schon gar nicht ein Satz, um den nicht gestritten wurde."