Aus dem Vorwort der Herausgeberinnen:

Bei den verschiedenen Umzügen und Haushaltauflösungen der letzten Jahrzehnte kamen immer wieder einzelne Tagebuchteile, Briefe und Fotos von Victor Becker aus dem Ersten Weltkrieg zum Vorschein, Fragmente, die für sich genommen unverständlich blieben. Die Herausgeberinnen haben diese Einzelteile gesammelt, entziffert, abgeschrieben und chronologisch geordnet. So entstand Schritt für Schritt das Bild eines jungen Mannes, Anfang Zwanzig, gerade mit seinem Medizinstudium fertig, der plötzlich aus seiner unbeschwerten, bürgerlichen Jugend- und Studentenzeit in die erste große Katastrophe des Zwanzigsten Jahrhunderts gerissen wird und nach fünf Jahren und drei Tagen wieder nach Hause kommt. Jahrzehnte später,
an seinem 70. Geburtstag, blickte er noch einmal auf diese Erlebnisse zurück und fasste zusammen, was sie für ihn bedeuteten:

"Die Wendung zum entschiedenen Christen ist bei mir nicht auf der Universität erfolgt, sondern gegen Ende des Ersten Weltkrieges, insbesondere in den schweren Kämpfen am Kemelberg. Damals habe ich mit den überkommenen und mehr oder weniger äußerlich angenommenen Anschauungen gebrochen; auch manches wie der übertriebene Nationalismus der damaligen Zeit erschien mir fragwürdig, und ich habe mir damals vorgenommen: wenn ich aus dieser Hölle in Flandern lebendig wieder zurückkomme, dann werde ich mein Leben nach den Erkenntnissen neu formen und habe das auch immer versucht.“

Wir Herausgeberinnen, Töchter und Enkelin, haben Victor Becker nur als Mann in reiferem Alter oder als alten Mann gekannt. Für uns ergänzte sich im Laufe unserer Arbeit das Bild unseres Vaters und Großvaters um das Bild des jungen Mannes.

Hagen, Saarbrücken, Bonn im August 2008
Roswitha Cordes, Oranna Dimmig, Hiltrud Mertes