Verlag Franz Schön

Herzlich willkommen auf unserer Seite!

Auf dieser Seite informieren wir Sie über Neuerscheinungen und bevorstehende Veranstaltungen des Verlags: Lesungen, Konzerte und Buchpräsentationen.
Besuchen Sie auch unsere Facebook-Seite


Neuerscheinung ab sofort lieferbar:

John Donne - Neu übersetzt

„Schweig endlich still und lass mich lieben!“
Ein John-Donne-Lesebuch von Michael Mertes
Verlag Franz Schön, Bonn 2017
292 Seiten, gebunden mit Lesebändchen, Fadenheftung, 19,80€ (D)
ISBN 978-3-9816420-6-3

John Donne (1572-1631) gilt als einer der größten Liebeslyriker englischer Sprache. Zu seinem Ruhm trugen seine frühen erotischen Dichtungen ebenso bei wie seine späteren geistlichen Sonette und Gesänge. Schon Donnes Zeitgenossen bewunderten den Reichtum und die Kühnheit seiner Bildsprache, in der die brandheißen Diskurse von Seefahrern und Kartographen, Ärzten und Astronomen, radikalen und gemäßigten Reformatoren, Staatsrechtlern und Kirchenjuristen, Fernhändlern und Theaterleuten poetisch verarbeitet werden. Die Vielfalt der von ihm erfundenen Strophenformen steht einzigartig da. Die Vorliebe späterer Generationen für einen harmonischen Stil minderte die Wertschätzung für Donne. Doch im 20. Jahrhundert wurde er wiederentdeckt. Große Dichter von T. S. Eliot bis Joseph Brodsky feierten ihn als Erneuer und prägende Gestalt europäischer Dichtung.

***
Lies unsre Manuskripte – diesen Berg
von Briefen, die wir zwei einander sandten;
mach draus ein Buch – für jene, die entbrannten
in reiner Liebesglut, dass sie im Werk
den rechten Weg entdecken.
Dieses Lehramt zu beflecken
wird sich kein Ketzer je erkecken,
der sieht, wie Amor uns die Gunst gewährt,
von ihm die Frohbotschaft zu sein, die Liebe lehrt.
***

Die ganze Menschheit stammt von einem Autor, sie ist ein großer Band. Stirbt ein Mensch, wird dieses Kapitel nicht aus dem Buch herausgerissen, sondern in eine bessere Sprache übersetzt – und jedes Kapitel muss auf diese Weise übersetzt werden. Gott bedient sich verschiedener Übersetzer: Einige Stücke werden vom Alter übersetzt, einige von der Krankheit, einige vom Krieg, einige von der Justiz; doch Gottes Hand ist in jeder Übersetzung, und seine Hand wird all unsere verstreuten Blätter wieder zusammenbinden für jene Bibliothek, in der alle Bücher füreinander offen daliegen werden.


Aus dem General-Anzeiger Bonn, 05.07.2017

zum General-Anzeiger
als PDF

„No Man is an Island“

Gedicht-Übersetzungen John Donnes in Bonn vorgestellt


Melancholie in der Liebe, zerrissen in der Welt: Kühn überschritt John Donne (1572-1631) die metrischen und sittlichen Konventionen seiner Zeit.

BONN. „Schweig endlich still und lass mich lieben!“: Am Donnerstag stellt der Wachtberger Michael Mertes seine neue Übersetzung von Gedichten John Donnes in Bonn vor.

Von Ebba Hagenberg-Miliu, 05.07.2017

Als Großbritanniens Europa-Gegner vor einem Jahr den „Brexit“-Entscheid bejubelten, da kramten die Europabefürworter augenblicklich einen ihrer berühmtesten Dichter aus der Mottenkiste: „No Man is an Island“, zitierten sie den großen John Donne.

No man is an island,
Entire of itself,
Every man is a piece of the continent,
A part of the main.
If a clod be washed away by the sea,
Europe is the less.

„Kein Mensch ist eine Insel, / in sich ein Ganzes. / Jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, / ein Teil des Festlands. / Wird auch nur ein Erdklumpen vom Meer weggeschwemmt, / so ist Europa gemindert“, beschworen die „Remainers“ Zeilen aus Donnes 17. „Meditation“, die erst zwei Jahre nach seinem Tod veröffentlicht worden war.

Plötzlich war der große Lyriker des Barock wieder in aller Munde, da er doch die Leiden auch des modernen Europa so trefflich auf den Punkt gebracht hatte. Es schien vergessen, dass es dieser John Donne (1572-1631) als Zeitgenosse William Shakespeares mit der Gunst der Zeitgenossen wie der Nachwelt alles andere als leicht hatte.

Auch sein neuester Übersetzer ins Deutsche, der Wachtberger Michael Mertes, widmet sein kürzlich im Godesberger Franz-Schön-Verlag erschienenes Lyrikbuch folgerichtig den „Freunden aus Britannien, Russland und Israel, denen ich mich persönlich und im Kampf gegen den Ungeist nationaler Engstirnigkeit tief verbunden fühle“. Donnes Credo „No Man is an Island“ lässt grüßen.

Mertes, ein Bruder des 2010 im Verlauf der Missbrauchsaufklärung an deutschen Schulen bekannt gewordenen Jesuitenpaters Klaus Mertes, ist studierter Jurist und schon von daher kein Traumtänzer. „Es mag vergebliche Liebesmüh sein, im deutschen Sprachraum viele neue Leser für John Donne begeistern zu wollen“, kommentiert er seinen Buchneuling realistisch.

Zuvor hatte er unter anderem schon Shakespeare-Sonnette ins Deutsche übersetzt. Er hoffe halt, ein paar Lyrikinteressierte mehr dazu anzuregen, sich intensiver mit Donne zu beschäftigen: unabhängig vom Tadel derer, die im Laufe der Zeit über ihn urteilten.

Den auf einem bekannten Portrait als außerordentlich attraktiv in modischer Pose des Liebesmelancholikers dargestellten Dichter hatten Nachgeborene als ebenso form- wie haltungsschwach verhöhnt. Erst im 20. Jahrhundert holten T.S. Eliot, Paul Celan und Joseph Brodsky ihn in die Riege der Weltliteraten zurück. Übersetzer Mertes rühmt Donnes mutiges Überschreiten metrischer Konventionen – die Zeitgenossen bastelten fast nur im Sonettgerüst.

Mertes preist Donnes moderne Überblendungstechnik und nicht zuletzt die Botschaft des Ganzen: Der Dichter schildere schon im 17. Jahrhundert die ganze Zerrissenheit des Menschen in der Welt, die Sehnsucht nach der Überwindung des Zwiespalts, die in ihm wie auch schon in seiner Zeit wütete.

Dafür fährt Mertes in diesem großzügig gestalteten Band eine große Auswahl an Gedichten und lyrischen Prosatexten im Original wie in Übersetzung auf. Der Reichtum und die Kühnheit von Donnes Bildsprache strahlt aus den frühen Liebesgedichten. Brandheiße Diskurse über seine Welt der Seefahrer und Kartographen, Ärzte und Astronomen, radikalen und gemäßigten Reformatoren, Staatsrechtlern und Kirchenjuristen, Fernhändlern und Theaterleuten werden poetisch verarbeitet.

Der Übersetzer nähert sich dem Original mit Hochachtung, wagt aber auch moderne Sprache, wenn die Worte Donnes nicht mehr im 21. Jahrhundert verstanden werden. Als „einfühlsam“, „ungeschraubt“ und „inspiriert“ sind schon Mertes Shakespeare-Übersetzungen gelobt worden.

Dabei wird der alte Dichter im Reformationsjubeljahr 2017 durchaus auch religionspolitisch wieder lebendig: Immerhin hatte der Jurist Donne im England des elisabethanischen Zeitalters die Konversion aus einer verfolgten katholischen Familie zum Protestantismus hingelegt – und das als Nachfahre des 1535 hingerichteten katholischen Denkers Thomas Morus. Als Vater von elf Kindern hatte Donne sich schließlich zum anglikanischen Pfarrer weihen lassen und war zum Dekan an der Saint Paul's Cathedral aufgestiegen.

Und doch bleibt John Donne als erotischer Dichter im Gedächtnis. „Schweig endlich still und lass mich lieben“, hat Michael Mertes sein Buch nach einem frühen Donne-Vers aus dem Jahr 1604 betitelt. Was gelten Gut und Geld, wenn die Liebe winkt, die mit seiner Frau Anne? Für diese Liebe zur Tochter seines vormaligen Gönners hatte der junge Donne bitter zahlen müssen: mit Inhaftierung und jahrelanger Arbeitslosigkeit. Der Dichter fasste das in einem griffigen Epigramm zusammen: „John Donne – Anne Donne – undone“.

Michael Mertes (Übers.): Schweig endlich still und lass mich lieben! Ein John-Donne-Lesebuch. Verlag Franz Schön, 292 S., 19,80 Euro, bestellbar unter info@verlag-franzschoen.de.
Veranstaltungstipp: „Los, fang einen Stern im Flug!“ Michael Mertes stellt seine John-Donne-Übersetzungen vor. Donnerstag, 6. Juli, 20 Uhr in der Buchhandlung Böttger, Thomas-Mann-Straße 41 in Bonn. Karten unter Tel. (0228) 350 27 19.


Neuerscheinung:

Ich denk mit Wehmut an den fernen Norden
Carl Wilhelm Diehls cisatlantische Dichtung
Eva Mertes, Oranna Dimmig, Michael Mertes


ISBN: 978-3-9816420-3-2
Seitenanzahl: 192 Seiten
Preis: 16,80€

Carl Wilhelm Diehl - Carlos Guillermo Diehl
*1824 in Hamburg †1885 in Buenos Aires
Carl Wilhelm Walter Diehl (1824-1885), Kaufmann und Lyriker, hat ein schmales Œuvre aus Gedichten und Nachdichtungen hinterlassen, in denen sich die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen in Deutschland und Südamerika zwischen den 1840er und den 1870er Jahren eindrucksvoll spiegeln. In Hamburg geboren, wanderte Diehl als junger Mann an den Río de la Plata aus. Er lebte und arbeitete in Argentinien, Brasilien und Uruguay. Während seiner Zeit in Montevideo (1859-1880) vertrat er konsularisch zunächst Österreich, dann den Norddeutschen Bund und das Deutsche Reich. In seiner neuen Heimat sympathisierte Diehl mit der liberalen Opposition gegen die Rosas-Diktatur und mit den Gegnern der Sklaverei in Brasilien. Durch seine Nachdichtungen aus dem Spanischen und Portugiesischen machte er dem deutschen Publikum Schlüsselwerke der jungen argentinischen und brasilianischen Nationalliteratur zugänglich. Diese Leistung, für die er im deutschsprachigen Raum viel Anerkennung erhielt, hat auch heute Bestand, denn Carl Wilhelm Diehls Nachdichtungen sind - soweit ersichtlich - ohne Konkurrenz geblieben.
Dieses Buch möchte einen Einblick in das Leben Diehls geben und neues Interesse an seinem ungewöhnlichen Werk wecken. Es enthält sowohl bisher unveröffentlichte Gedichte als auch Teile seiner im 19. Jahrhundert publizierten Werke.

Dem Magazin "Hamburger Wirtschaft" hat unser neustes Buch wohl auch gut gefallen. Es war der Redaktion in ihrer Juniausgabe eine Empfehlung wert. Danke!